Demokratie heute hat viele Facetten. Ob Klimawandel, Lobby- und Entwicklungsarbeit oder Forderungen nach mehr Einflussnahme von Bürger:innen auf das politische Geschehen – Akteur:innen und Netzwerke setzen sich in ihren Kampagnen und Initiativen rund um den Globus für demokratische Werte ein: für Vielfalt, Freiheit, Offenheit und Toleranz.
Klicken Sie sich durch beispielhafte Projekte auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene und lassen Sie sich inspirieren.
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Das Besondere an Bürgerräten ist, dass die Teilnehmenden zufällig aus der Bevölkerung ausgelost werden. Akademiker:innen sitzen dort neben Handwerker:innen, Rentner:innen neben Jugendlichen, hier geborene Menschen neben Zugewanderten. Ihre Aufgabe ist es, gemeinsam Lösungen für politische Probleme vorzuschlagen. Diese Empfehlungen werden dem jeweils zuständigen Parlament oder Gemeinderat zur Beratung vorgelegt. Welche Klimaschutzmaßnahmen soll Deutschland ergreifen? Wie soll die Pflege in Zukunft organisiert werden? Wie soll die Bildungspolitik des Landes aussehen? Diese und viele andere Themen können in einem Bürgerrat diskutiert werden.
Neue Auftraggeber:innen sind Menschen, die etwas verändern wollen. Sie beauftragen Künstler:innen damit, Kunstwerke zu entwickeln, die in ihrer Stadt oder ihrem Dorf Antworten aufdrängende Fragen geben. Architektur, Fotografie, Film, Malerei, Theater, Skulptur, Performance, Literatur, Design, Installation, Landschaft, Stadtplanung, Internet, Aktion, Musik uvm. Unterstützt durch Mediator:innen formulieren sie einen Auftrag und stoßen Projekte an, die zum Ausdruck bringen, was ihnen wichtig ist. Tausende Bürger:innen haben so bereits unübersehbare Zeichen gesetzt und sich und ihrer Gemeinschaft eine Stimme gegeben. Meist stehen am Anfang offene Fragen: Was ist mir wichtig? Was soll sich vor meiner Haustür verändern? Wo werden meine Wünsche nicht gehört? Was fehlt in unserem Lebensumfeld? Wovor verschließen wir die Augen? Und wie finden wir als Gemeinschaft zusammen? Das alles muss zunächst nichts mit Kunst zu tun haben. Ob sich drei Krankenpfleger:innen einen Andachtsraum für Gläubige aller Religionen wünschen oder Physiker:innen die Schönheit der Mathematik darstellen wollen, ob Obdachlose sich die ideale Unterkunft erträumen oder hundert Schüler:innen vor ihrer Schule einen Strand anlegen möchten – aus jedem Wunsch und jeder Fantasie kann ein Auftrag werden. Und auch für den ungewöhnlichsten Auftrag lässt sich eine künstlerische Antwort finden. Der Weg dahin beginnt mit Ihnen. Denn die Neuen Auftraggeber, das sind Sie! Unsere Mediator:innen sind als Vermittler:innen für Sie da, um Ihr Anliegen aufzugreifen und zu verstehen, und um Sie durch Ihr Projekt zu begleiten. Sie hören Ihnen zu und suchen für Ihren Auftrag eine passende Künstlerin oder einen Künstler, mit denen Sie unmittelbar zusammenarbeiten. So wird im direkten Dialog aus Ihrer Idee ein Kunstwerk, das oft auch für viele andere Menschen Bedeutung hat. Die Gesellschaft der Neuen Auftraggeber:innen schafft den Rahmen dafür und unterstützt Bürger:innen, Künstler:innen und Kooperationspartner:innen bei der Beauftragung, Finanzierung und Ausführung der Projekte. Was dabei entsteht, sind gemeinnützige, öffentliche und nicht kommerzielle Kulturgüter.
Kultur auf dem Dorf - da denkt jeder zuerst an Schützenfeste, Trachten, Erntedankfest, aber Hochkultur erwartet keiner auf dem Lande. Doch auch dort macht sie sich immer mehr breit. In der Prignitz, auf dem platten Land, irgendwo „in de Middle of Nüscht“, ist so eine kleine Oase erblüht. Das Dörfchen Klein Leppin in Brandenburg hat sich aufgemacht, diese Hochkultur für sich zu erobern und neu zu definieren. 2003 wurde hier der Verein FestLand e.V. gegründet und das Projekt „Dorf macht Oper“ ins Leben gerufen.

Das IBA Projekt Beulwitzer Straße in Saalfeld bildet einen Zwischenraum zum Ankommen. Anwohner:innen und Geflüchtete bauen hier gemeinsam Werk- und Freiräume. Auf dem Gelände der alten Kaserne an der Beulwitzer Straße in Saalfeld baut die Stadt ein Werkhaus im „Zwischenraum zum Ankommen" als neue soziale Infrastruktur im jüngsten und kulturell vielfältigsten Quartier im Landkreis. Ziel ist es, im Sinne von Hilfe zur Selbsthilfe, eine voraussetzungslose, wohnortnahe Vorstufe für Ausbildung, Gründung oder Beschäftigung zu schaffen. Dabei wird bereits der Planungs- und Bauprozess mit vielen Werkstätten und Bauaktionen zum Beteiligungsprojekt und Lernfeld. Mit dem „Zwischenraum zum Ankommen" ist sowohl die Lage des Quartiers zwischen Stadt und Land als auch die Lage des Grundstücks zwischen der Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete und den Wohngebäuden gemeint. Er bezeichnet auch die Orientierungsphase zwischen Herkunft und Zukunft, sowie den Übergang zwischen Ausbildung und Beruf, Familie und Gesellschaft. Angestrebt wird eine lebendige Nachbarschaft mit Möglichkeitsräumen und Unterstützungsangeboten, die allen persönliche Entwicklungsperspektiven und gesellschaftliche Teilhabe eröffnet. Seit 2015 hat die Stadt Saalfeld gemeinsam mit dem Bildungszentrum Saalfeld die Idee des Werkhauses konsequent vorangetrieben, das 2016 über den Aufruf „Arrival Stadt-Land" zur IBA Thüringen kam. In der Ideenstudie von Urban Catalyst, die 2017/18 gemeinsam mit den Bewohner:innen entwickelt wurde, entstand die Vision eines multifunktionalen, modularen Gebäudes mit Werkräumen u.a. zum Bauen, Reparieren, Kochen, Nähen, sowie Flächen für kleinteiligen Handel, Café, Begegnung und Bildung und verschiedenartige Freibereiche für Garten, Sport und Spiel.

Die Genossenschaft Bahn-Hofladen Rottenbach e.G. aus lokalen Produzent:innen und Anwohner:innen betreibt seit 2019 den Bahn-Hofladen, um die Nahversorgung vor Ort abzudecken. Der leerstehende Bahnhof Rottenbach wurde im Rahmen der IBA Thüringen als "Ein Tor ins Schwarzatal" saniert und wird seit Juli 2019 flexibel als Bahn-Hofladen und Bürger:innenbüro genutzt. Entstanden ist auf dem Bahnhofsvorplatz außerdem ein neuer Verkehrsknotenpunkt für Bus, Bahn, Auto und Fahrrad, dessen Gestaltung in origineller Weise regionale Materialien und traditionelles Handwerk aufgreift. Im denkmalgeschützten Bahnhofsgebäude befindet sich der Bahn-Hofladen, ein genossenschaftlicher Dorfladen, der mit dem Verkauf regionaler Produkte einen wichtigen Beitrag zur Nahversorgung des Ortes liefert. Eigentümerin des Gebäudes ist die Stadt Königsee, der Regionalladen wird von der Genossenschaft Bahn-Hofladen Rottenbach e.G. betrieben. Das Gesamtareal soll ab 2022 zusätzlich durch ein kleines neues Multifunktionshaus ergänzt werden.
Das Netzwerk Immovielien ist ein gemeinnütziger Verein, der Bildungs- und Vernetzungsformate für Akteur:innen der Stadtteil- und Immobilienentwicklung konzipiert und damit die Entstehung und Entwicklung von Immovielien unterstützt. Als Bündnis von Akteur:innen aus Zivilgesellschaft, Öffentlicher Hand, Wirtschaft, Wohlfahrt und Wissenschaft setzt sich das Netzwerk für mehr Gemeinwohlorientierung in der Immobilien- und Quartiersentwicklung ein. Das Netzwerk Immovielien will die Rahmenbedingungen für die Entstehung und den Betrieb von Immovielien in allen relevanten Handlungs- und Politikfeldern verbessern.
Die Partnerschaften für Demokratie im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt setzen sich für Freiheit, Offenheit und Toleranz als demokratische Werte ein. Die lokalen Partnerschaften für Demokratie (PfD) mit Sitz in Saalfeld unterstützen alle relevanten Akteur:innen im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt bei Aktivitäten gegen äußerst rechte Strukturen, Gewalt und Menschenfeindlichkeit. Dabei liegt ein besonderes Interesse von PfD aufgrund der Siedlungsstruktur im Landkreis in der Demokratiestärkung im ländlichen Raum. Schwerpunkt-Programme von PfD sind: Lust auf Zukunft, Willkommenskultur sowie Heimat selbst gestalten – selber machen. Ziel bis zum Ende der aktuellen Förderperiode ist es, eine Regionalstrategie zur Demokratie-Stärkung für Saalfeld-Rudolstadt zu entwickeln und in einem Abschlussbericht fassbar zu machen.
RURASMUS ist eine Initiative für ein europäisches „Aufs-Land-Semester“ durch die junge Menschen für ein Semester in einer Gemeinde, Kleinstadt oder Region studieren. Diese Orte werden zu temporären Universitätsstandorten und die lokalen Herausforderungen zur Aufgabenstellung für Studierende. Die jungen Menschen entwickeln dadurch einen neuen, lustvollen Zugang zum ruralen Raum in Europa. Gemeinden im ländlichen Raum profitieren durch neue Impulse. Neue Arbeitswelten und Begegnungsräume entstehen.
Ein Fest für alle Menschen, die das Landleben neugestalten – zum Feiern, Austauschen, Werken, Ausprobieren und Vernetzen.

Die Zukunftswerkstatt Schwarzatal ist ein Netzwerk und eine Initiative, die seit 2011 innovative und nachhaltige Prozesse fördert und Projekte im Bereich regionaler Entwicklung umsetzt. Die LEADER Aktionsgruppe Saalfeld-Rudolstadt ist ein Netzwerk von Akteur:innen im ländlichen Raum, die Lobby- und Entwicklungsarbeit für die Region leisten. Ziel der Zukunftswerkstatt Schwarzatal ist es, das Schwarzatal angesichts des demografischen Wandels und den damit einhergehenden sinkenden Einwohnerzahlen widerstands- und wandlungsfähig zu machen. Im Jahr 2014 hat die IBA Thüringen den Projektaufruf „Zukunft StadtLand!“ gestartet. Die von der Zukunftswerkstatt Schwarzatal eingereichte Projektidee „Resilientes Schwarzatal“ wurde als IBA Kandidat benannt und beinhaltet nun vier große Projektbausteine: „Zukunftsfähiges Landschaftsbild Schwarzatal“, „Schloss Schwarzburg – Denkort für Demokratie“, „Sommerfrische Schwarzatal“ und „Bahnhof Rottenbach - Ein Tor ins Schwarzatal“. Vor dem Hintergrund der spezifischen Thüringer Bedingungen – eine kleinteilige Siedlungsstruktur und ein von Abwanderung betroffener, ländlich geprägter Raum – reagieren die einzelnen Projekte auf die Frage, wie zivile und demokratische Grundlagen unserer Gesellschaft aufrechterhalten werden können. Demokratische Werte müssen durch konkrete subsidiäre Governance-Strukturen und die Ermöglichung subsistenter Lebensgrundlagen im ländlichen Raum gestärkt werden. Über viele Jahrzehnte fuhren Sommergäste zur Erholung ins Schwarzatal. Diese touristische Nutzung ist weitgehend zum Erliegen gekommen, hat aber ihre baulichen Zeugnisse in Form spezifischer Sommerfrische Architekturen hinterlassen. Die Entwicklung einer zeitgenössisch verstandenen Sommerfrische als Möglichkeitsraum für unterschiedliche Lebensentwürfe ist Ziel der Zukunftswerkstatt Schwarztal, der LEADER Aktionsgruppe Saalfeld-Rudolstadt und der IBA Thüringen. Diese Sommerfrische nimmt neue Zielgruppen, moderne Angebote und alternative Betreiberstrukturen in den Blick. Die Sommerfrische wird als wesentliches Identifikationselement und Gemeinschaftsprojekt des Schwarzatals angesehen. Perspektivisch kann die Sommerfrische zu flexibel-dauerhaften Bindungen von (Groß-)Stadtbewohner:innen mit einer ländlichen Region führen. So werden Orte der Entschleunigung in Naturnähe und Inseln der Nichterreichbarkeit ebenso geschaffen wie digitaler Anschluss für längere Wohn- und Arbeitsaufenthalte. Es entsteht Raum für gesellschaftliches Leben und der von Abwanderung betroffene ländliche Raum wird bereichert. Seit 2015 lädt der „Tag der Sommerfrische” an einem Sonntag im Jahr in das Schwarzatal ein und bietet ein abwechslungsreiches Programm. Es ist ausgerichtet am baukulturellen Erbe der historischen Sommerfrische Architektur und behandelt Themen wie Nutzung von Leerstand, Mobilitäts-, Umwelt- und Klimaschutzaspekte. Tausende Besucher:innen bewegen sich an diesem Tag entlang der öffentlichen Angebote durch die Region. Seit Gründung der Initiative Zukunftswerkstatt Schwarzatal im Jahr 2011 finden i.d.R. jährlich die Schwarzburger Gespräche als eine Form der Regionalkonferenz zu aktuellen Fragen des ländlichen Raumes, Klima und Landschaftsentwicklung sowie Demokratie oder auch Baukultur in Schwarzburg statt.